Neue Gesichter der Stadt

4 02 2009

Die Stadt verändert sich schlagartig nach einer Trennung oder einem gebrochenem Herzen. Vorher war sie in rosa Watte eingepackt und strahlte einem an jeder Ecke entgegen mit seinen freundlichen und verwinkelten Fassaden. Die Gebäude die man passierte leuchteten in einem ganz besonderen Licht und man schwebte durch die engen Gassen der Altstadt. Der Himmel war immer blau auch wenn man mit seinem Regenschirm schon eine ganze halbe Stunde auf den nächsten Bus wartete.

Dann der Tag als ich mit Tränen im Gesicht deine Straße runter lief. Überstürzt habe ich deine Wohnung verlassen weil ich schon längst wusste was du mir sagen wolltest. Die Einzelheiten wollte und brauchte ich gar nicht hören. Ich kannte sie nur gut genug schließlich bin ich kein kleines Mädchen mehr und ich hatte sie auch schon mal aus demselben Mund gehört.

In solchen Momenten steht man auf einmal in einer ganz anderen Stadt, die man kaum wieder erkennt. Sie ist farblos und irgendwie bedrohlich und man schwebt nicht mehr von A nach B sondern hastet nur noch seinem Ziel entgegen aus Angst IHM über dem Weg zulaufen.

Sie, die Stadt, verändert sich in den nächsten Monaten in eine wahre Erinnerungsfalle.

Mit gesenktem Kopf lege ich nur die Strecken zurück die absolut nötig sind und ich achte auf die Uhrzeit, schließlich weiß ich ja wann er arbeitet.

Aber auch diese seelischen Schutzmaßnahmen helfen nicht, dass sich mein geliebtes Barcelona, in das ich doch auch Hals über Kopf verliebt bin, in meinen schlimmsten Alptraum verwandelt.

Ich habe das Gefühl es lauern an jeder Straßenkreuzung Erinnerungen, die nur darauf warten mich aus dem Hinterhalt ins Genick zuspringen. Ich stehe an einer x-beliebigen Ampel und da ist er, der Schauer der einem über dem Rücken läuft, da sind sie, die Bilder von einem Sommertag als ihm das neu gekaufte Eis nach 2 Sekunden auf den Boden fiel und ich herzhaft lachen musste.

Jeder Musikladen trägt auf einmal seinen Namen und Musik kann ich schon lange nicht mehr ohne Magenkrämpfe hören, da auch fast jeder Song in meiner Playlist seinen Namen trägt. Die Schatten unserer kurzen aber intensiven Zeit springen mich von jedem Bauwerk an. Sie folgen mir wie das Licht von Scheinwerfern die auf eine Mauer fallen und langsam dünner und länger werden.

Aber genau so ist es mit einem angebrochenen Herzen; die Schatten die einem nachjagen werden mit der Zeit auch immer dünner und länger, wie das Licht eines Scheinwerfers.

Sein Gesicht zeichnet sich nicht mehr an den Häusern dieser Stadt ab, nein vielmehr wird es jetzt von anderen neuen und freundlicheren Gesichtern überdeckt, die sich wie Efeu die Mauern der Stadt hochranken. Gesichter meiner Freunde oder nur von mir. Diese Gesichter sind meine neuen Erinnerungen, die meine Stadt langsam wieder in eine rosa Watte packen und die alten Mauern nicht mehr bedrohlich und grau wirken lassen.

Weil ich jetzt drüber schreiben kann. Danke für das Neufüllen meiner Stadt.







London (was) calling part one

7 12 2008

Hab hier so das Gefühl nur von meinen Ausflügen und Pausen von Barcelona zu berichten, so das man schnell den Eindruck haben könnte ich mag meine Wahlheimat gar nicht so sehr. Das will ich dann mal an dieser Stelle richtig klären; ich liebe Barcelona.

Vom ersten Augenblick als ich am 24 August im Jahre 2006 zum ersten Mal die Calle Avinyo betrat, hat mich die Stadt mit ihren großen und offen Armen gefangen und nicht mehr los gelassen, wie schon so viele vor mir.

Aber wie in jeder Beziehung braucht man auch mal einen Moment Ruhe und Abstand und so ging es mir Ende Mai. Es war das perfekte Timing, da ich gerade 3 Tage Primavera Sound (Festival) hinter mir hatte, von denen ich mich sage und schreibe ganze 2 Tage erholen musste. Mit 28 Jahren merkt man 3 Tage tanzen und trinken in jedem Knochen und gerade rechtzeitig zum Abflug kam meine Stimme auch wieder. An dieser Stelle; Entschuldigung an alle die mich in meinen 2 Tagen Rehabilitation angerufen haben und leider feststellen mussten das niemand am Telefon war, mmhh ich war am Telefon, es kam nur kein Laut aus meinem Mund.

So saß ich nun mal wieder am Barcelona Flughafen auf dem ich mittlerweile schon die Sicherheitsbeamten mit Vornamen ansprechen kann, so oft bin ich hier schon abgeflogen und wieder angekommen. Meine Gefühle sind dabei immer sehr verschieden, manchmal freue ich mich abzufliegen, manchmal möchte ich am liebsten gar nicht aus dem Flughafen Bus aussteigen und wieder andere Male will ich in Dortmund nicht aus dem Auto steigen. So fühl ich mich eigentlich immer. Ich nehme mal an das ist das Los was ich aus dem großem Topf Namens Leben gezogen habe. Manchmal ist es schon schwierig wenn man sich nirgends so richtig zu Hause fühlt.

Klar es gibt einem das Gefühl von Freiheit, da man jederzeit seinen Lebensmittelpunkt wechseln kann aber oft ist es auch nur super furchteinflößend.

Dieses Mal hatte ich aber nichts als Vorfreude im Herzen und im Kopf und ich war bereit für ein neues Abendteuer. Es war schon wieder viel zu lange her das ich und mein großer Rucksack auf Reisen waren. Natürlich war ein Besuch bei Karin in London nicht Backpacking durch Vietnam aber es fühle sich fast genauso an. Meine bis her nie zur Ruhe gekommene Reiselust und meine innere Unruhe meldeten sich auch gleich wieder.

Nach dem Einchecken lief ich auch gleich los um meine Wunschliste von Karin abzuarbeiten. Zwei Schachteln Zigaretten und 1 Flasche Whiskey, wenn sich das nicht nach fünf Tagen Spass anhört. Ich schaute mich also im „Dutyfreeshop“ in Ruhe um. Was haben diese Shops eigentlich an sich das man immer das Gefühl hat jeden Krimmskramm kaufen zu müssen und sich mit Süßigkeiten und Alkohol voll stopfen zu müssen. Ich blieb aber strikt bei meiner Liste und kaufte nur die beiden Stangen und den Whisky. Nichts wie raus aus diesem Verführungstempel der unnützen Gegenstände.

Da ich es, wie jeder andere Mensch wahrscheinlich auch, hasse im Flugzeug auf die Toilette zu gehen ging ich noch mal schnell am Flughafen.

Ich sitze also so auf dem Klo, ja ich bin jemand der sich tatsächlich auf die Klobrille setzt (Feuchtgebiete lässt grüßen), und denke so über meinen bevorstehenden Trip nach, als plötzlich jemand die Tüte aus dem Dutyfreeshop zwischen der Tür hinweg zieht und aus der Toilette rennt. Für ein paar Sekunden sitze ich total perplex auf dem Klo bis ich erstmal realisiere was da gerade passiert ist und so spring ich auf, ziehe die Hose so gut es geht hoch und stürme aus der Klokabine. Da ich von Natur aus ein eher trotteliger Typ bin kommt mir das natürlich auch in dieser Situation in die Quere. Meine Hose auf halb acht und noch unter Schock trete ich dabei auf meinen Rucksack und höre doch tatsächlich die gerade gekaufte Flasche Whiskey zur Bruch gehen. So stehe ich da mit halb entblößtem Arsch und sehe den guten Whiskey aus meinem Rucksack laufen. Der Dieb ist mit meinen Zigaretten eh schon über alle Berge.

Zu allem Überfluss kommt dann auch gerade jemand in die Toilette und schaut mich ganz entsetzt an, na ja wer kann es ihr verübeln bei dem Anblick.

So versuche ich ihr in Spanisch zur erklären was gerade passiert ist und natürlich hört sich das ja alles ein wenig absurd an, also zieh ich mir im Gang der Toiletten meine Hose richtig an entsorge meinen Rucksack, pack die Sachen in eine Plastiktüte und verschwinde so schnell es geht.

Frustriert setzte ich mich an mein Gate und denke „was für ein toller Start“ in deinen Urlaub. Die Leute um mich rum schauen auch ganz komisch….ahh klar ich muss ja riechen als ob ich gerade in Whiskey gebadet hätte. Toll nun wurde ich innerhalb von 10 Minuten beraubt und als Hardcore Alkoholiker abgestempelt. Perfekt.

20 Minuten später sitze ich dann Gott sei Dank im Flieger und stell mich wieder auf tolle 5 Tage in London ein. Aber wie das ungeschrieben Gesetz der Pechsträhnen festlegt wurde es nach Abflug nicht unbedingt besser. Es gibt nur zwei Arten von Flugzeugpassagieren die ich um keinen Preis neben mir sitzen haben will; Familien mit aufgedrehten und rotzfrechen Kindern und Passagiere die dich den ganzen Flug voll quatschen müssen, während du nur versuchst dein Buch zu lesen. Und NATÜRLICH hatte ich die nervige Familie vor mir sitzen und die Quasselstripe neben mir. Der war auch nicht von meiner Whiskeyfahne abgeschreckt, wahrscheinlich machte mich das nur noch sympathischer.

So hörte ich mir die Lebensgeschichte meines Nachbarn an und grinste das Kind, das mich schon seit ca. 20 Minuten durch die Sitze hindurch anstarte, alle zwei Minuten an.

Nach knapp zwei Stunden; Ankunft London Luton. Mein geschwätziger Nachbar fragt ob wir zusammen den Bus in die Stadt nehmen sollen…..na super noch eine Stunde dieses Gelaber ertrage ich nicht und so sag ich ihm das wir uns draußen treffen und renne schnell gen Ausgang und springe in den nächsten Bus.

Stop Finschley Road. Hier treffe ich Karin in 2 Stunden. Scheiße, was mach ich denn die nächsten 2 Stunden. Klar du bist in London also ins nächste Pup ist doch klar.

Da sitze ich also, whiskeystinkend mit einem Pine in einem Londoner Pup. Irgendwie hat das was.

2 Stunden, zwei Bier später und schon mit einem gewaltig großen Grinsen liegen Karin und ich uns in den Armen, drücken uns gegenseitig die Backen und lachen ganz laut, aus keinem ersichtlichen Grund nur aus reiner Freude uns endlich wieder zu sehen.

Es ist ja echt immer lustig wenn man seine besten Freunde zum ersten Mal in ihrem neuen „Heim“ besucht. Irgendwie führen die sich dann immer gleich wie Reiseführer auf; „Hier um die Ecke ist ein super günstiger Japan, wenn du hier hoch gehst kommst du zu einem ganz tollen Park, hier kann man günstig Strumpfhosen kaufen“ u.s.w. Sind ja auch alles ganz wichtige Tipps wenn ich in den nächsten Tagen japanisch essen will, im Park spazieren gehen will oder dringend Strumpfhosen brauche.

Ich liebe das Gefühl was man nur mit richtig guten Freunden teilt…man sieht sich ewig nicht und man hat das Gefühl, trotz einer wild fremden Stadt, zu Hause angekommen zu sein.

Den Rest des Abends gab es viel Gelache und jede Menge Wein, von es die nächsten Tage noch viel mehr geben sollte.





When do you call a friend a friend?

24 09 2008

First of all: this will not be a usual entry on citygefluester, it will not be one of my crazy stories, it will more be a thank you and a present for a special person. That is the reason why I’m writing this in English, no worries it will be an exception.

I meant to put this online month ago but life is just too fast and busy sometimes that I couldn’t found the time. Well that is not the complete truth.

This text in his original form is sitting here on my computer quite a long time now waiting to come out and show his dress on my blog but like always in life you have to overcome some obstacles.

My obstacles where laziness, forgetfulness and no Internet connection at home.

But now after 3 month I made it. A smart man once said; better late than never.

I want to talk about the feeling you sometimes have when you are new in a city or in a place and what happens when this place becomes your new home.

Everybody probably knows this feeling in the beginning or even later, that you have when you try to settle down in a place where you know almost nobody and which fears you feel in this moments.

I’m quite use to this feeling of not knowing what is going to happen and if you will make it. I changed my centre of life so many times before that it should be easy for me but every time it scares me again.

One of the problem is finding new friends and people who love you and which you can love back.

Even if you find nice people easily sometimes you feel alone and wish your old friends would knock at your door and you can order pizza and lie in bed all Sunday and talk about everything and old times. The ones you can lean your head and the ones who are playing with your hair while watching TV.

The ones you don’t have to talk to but they understand what you are trying to say. The ones who are knowing you better than you know yourself sometimes and the ones who are loving you regardless.

I guess we all know that you can’t find these kind of friends at every corner.

Even if you think you found them I sometimes question myself; would they miss you when you gone and will they stay in touch?

Do we really have this special connection that it takes to call somebody a real friend?

Sometimes when you find new friends you have still moments where you lie in your bed and question the people in your “new” life and you feel lonely. “Can I really call him at this time of night or will he be irritated” or “ Can I tell her my family problems, my lovesickness or about my horrible boss”?

For me it takes a while to go this extra step and for open up to somebody completely and it takes time to lay your head on somebody’s shoulder and to play with his hair.

But if it does happen, it is the most amazing feeling and it is a little miracle.

To be sure you find a special somebody who will be, from now on, a part of your life and will not disappear; that is worth all the trouble and all the lonely nights.

Edu is one of this person were it was worth waiting for.

He makes my day a bit brighter and I feel save. I feel save because he knows my little faults and dark secrets, my weaknesses and my crazy moods.

But he likes me just the way I am. He sees me with his own eyes and he still wants to be my friend.

That is the most precious gift you can get in foreign city/ country, far away from home. Not the city itself makes you call a place home, it is the people who make it your new home and who allow you to survive.

This is a big thank you for all the wonderful people I meet in Barcelona and who helped me to go through good but also bad times.

Especially Edu and Rafa, you are my stars on a cloudy sky and you will always be in my heart, no matter where I will be.

And remember that we always have a date at PRIMAVERA SOUND.

MUA!





Lost in Translations

28 06 2008

Vor einer Woche haben mich meine süßen Feunde, Rafa und Edu in ein indie Theater/ Biergarten / Punkerbude geschleppt, um dort ein Theaterstück einer katalanischen Theatergruppe zu sehen. Edu versprach mir dass das halbe Stück in Spanisch und die andere Hälfte in Katalan vorgetragen wird und außerdem wäre es „sehr visuell“ und das während des Stücks immer eine Paella gekocht wird, die man dann am Ende zusammen verspeist.

Nun ja das klingt zwar nicht gerade köstlich aber interessant und außerdem fand ich es irgendwie erfrischend mal mehr in die authentische Welt von Barcelona einzutauchen, als ich es für gewöhnlich tue. Wenn man als Fremder in eine Stadt wie Barcelona lebt und noch nicht völlig fluent in der spanischen Sprache ist, hat man den Hang dazu sich auch mit „Fremden“ anzufreunden, die in der gleichen Situation sind.

So verpasst man oft das „Original“ der Stadt in der man lebt, dass man so richtig nur mit Leuten kennen lernt die auch von hier stammen.

So habe ich mich also nach einem Marathon von Zimmerbesichtigungen auf dem Weg zum Antic Teatre gemacht.

Als ich dann alle traf, inklusive aller Freunde von Edu und Rafa, bekam ich schon mal einen kleinen Vorgeschmack, da alle sich hauptsächlich in Katalan unterhielten.

Ist ja auch ganz normal, ist ja schließlich ihre Muttersprache. Ich wurde auch ganz dezent ca. 4 mal gefragt ob ich den wirklich gar nichts auf Katalan verstehen würde schließlich wäre ich doch schon 9 Monate hier.

Die haben leicht reden…bin erst einmal genug damit beschäftigt das Spanische auf die Reihe zu bekommen, womit, wie sich rausgestellt hat, ich mich ein wenig schwer tue, um nicht zusagen idiotisch anstellen.

Das Gebäude in dem das Theater untergebracht ist, ist der Hit. Man fühlt sich sofort nach Berlin Kreuzberg versetzt und zwar in die guten alten Tage, wo viele Wohnungen von Alternativen Gruppen und Punks besetzt wurden und in Öko-Gemüseläden oder Kneipen umgewandelt wurden. Es gibt einen sehr großen Hinterhof der mit vielen Bäumen und Sträuchern versehen ist und in diesen hängen Lichterketten. Überall stehen kleine Tische mit Holzstühlen und es gibt sogar eine Hollywoodschaukel. Es brennen Teelichter auf den Tischen und Joints werden an jedem zweiten Tisch gedreht.

Auch wir setzten uns erstmal an einen Tisch um die letzten Sonnenstrahlen bei einem kühlen Blonden und einer guten Tüte (Porro) zu genießen.

Eins muss ich an dieser Stelle echt mal loswerden, ich vermisse das Gras aus Deutschland. Ich weiß nicht wie die Spanier jemals von diesem Zeug stoned werden. Mich macht dieses Marokko Zeugs einfach nur schläfrig, weshalb ich auch diese Runde ausgesetzt habe. Ich war ja schließlich kurz davor reine katalanische Kultur zu inhalieren und es schien mir keine gute Idee, zusätzlich meiner nicht bestehenden Kenntnisse der katalanischen Sprache mir auch noch total bekifft das Theaterstück anzusehen.

Der Theatersaal war, wie das ganze Theater auch eher sporadisch eingerichtet mit viel Punkercharme und außerdem kam ich mir vor als ob mir gleich jemand ein Formular in die Hand drückt auf dem ich der Linken Partei Barcelonas beitreten kann.

Wir setzten uns ganz nach oben, da es schon relativ gut gefüllt war und bei jedem Schritt knirschte die, aus Brettern und alten Kinosesseln zusammen gewürfelte, Bühne. In der letzten Reihe fanden dann alle von uns Platz direkt vor den Lichttechnikern.

Dieses Theater war ganz nach meinem Geschmack auch wenn ich mir schon die Schlagzeilen in meinem Kopf zusammensetzte „4 Tote bei dem Zusammenbruch einer Theaterbühne in Barcelona, darunter auch eine Deutsche“.

An dieser Stelle muss ich auch noch mal erwähnen dass es in dem „Saal“ heiß wie in einer Sauna war und ich wahrscheinlich auch Schwierigkeiten mit einem deutschen Stück gehabt hätte. Wenn man mich nicht immer schon an meiner schneeweißen Haut, meinen Feuerroten Haaren und meinem gebrochenen Spanisch erkennen würde, hätte man es spätestens an meinen Schweißausbrüchen gesehen. Alle Leute um mich herum sahen aus wie aus dem Ei gepellt und mir standen die Schweißperlen schon nach 15 Minuten auf der Stirn und auch an durchaus unangenehmeren Stellen.

Wie jedes gute Off-Broadway oder alternatives Theaterstück fing es erst einmal mit einigen Lichteffekten, befremdlicher Musik und einem Schauspieler der in der Mitte stand und eine Offiziersuniform trug an, die natürlich eine deutsche war.

Natürlich dürfen diese kleinen Details bei einer Inszenierung über den Krieg nicht fehlen. Ist es nicht gut zu wissen das Deutschland und unsere Geschichte in die Welt hinaus getragen wird….mich beruhigt das ungeheim.

Er fing an zu sprechen und ich nehme mal an dass er ein wenig erklärte worum es geht aber das ist nur so eine Ahnung. Jeder der behauptet Katalan wäre dem Spanischem ähnlich ist ein verdammter Lügner. Klar so einige Wörter sind schon dieselben aber was nützen dir Wörter wie revulucion oder democracia, die versteht man auch wenn man kein Spanisch spricht.

Die Requisiten konnten mir auch nicht so genaue den Inhalt und Sinn dieses Stücks verraten. Ich sah ein paar Koffer, ein Tisch mit einem Telefon, eine Europalette und 3 Männer im Hintergrund die sich zur Musik bewegten. Einer trug einen Radrennanzug, einer nur eine Badehose mit Schnorchel und Flossen und der andere einen Anzug, also nicht gerade Sachen die ich mit Krieg verbinde, soviel dazu dass das Stück sehr visuell sein sollte…

Erster Akt: (nennt man das eigentlich so beim Theater oder ist das die Oper) Schande auf mein Elternhaus, das mich nicht einmal mit den einfachsten kulturellen Grundbegriffen ausgestattet hat.

Eine „italienische Diva“ betritt die Bühne und fängt an zu singen. Schon komisch, dieses Lied habe ich besser verstanden als alle katalanischen Dialoge. Plötzlich schüttet der komische Kautz mit den Taucherflossen ihr ein Glas Wasser über den Kopf…..Dialog?????? und sie zieht sich bis auf die Unterwäsche aus; Newsflash BH’s mit Bügeln wurden schon erfunden…

Sie fängt an den Boden wie wild mit ihren Kleidern zu putzen…dann erscheint Jesus an einem neonbeleuchteten Kreuz und das Gesicht ganz silber angemalt. Die entkleidete italienische Diva fängt an ihn zu umgarnen und er fängt an sie zu liebkosen. Sie rangeln sich wild auf dem Boden und auf einmal erscheint eine Möhre und Jesus fängt an der halb nackten Frau vor seinen Füßen einen zu blasen, na ja der Möhre. Ich bin mir sicher das einer der Beteiligten ein Marilyn Manson Fan ist. Es war schon ein wenig anstößig aber ich fand es herrlich.

Ich will jetzt hier nicht jede Einzelheit von einem zweistündigen Stück wiedergeben aber eine Szene muss ich noch erwähnen.

Ziemlich zum Schluss hin kam noch mal eine für mich sehr intensive Szene, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Eigentlich bestand diese Szene aus vier kleinen Einzelszenen, wo die jeweiligen Schauspieler immer wieder eine Handlung und einen Dialog wiederholten und dabei immer schneller wurden. Zwei von diesen vier Miniszenen haben wieder Bezug auf meine Vergangenheit genommen und wahrscheinlich kann ich mich deswegen noch so gut erinnern.

Eine davon zeigt einen Mann der das Telefon abhebt und irgendetwas auf Katalan sagt. Nichts Besonderes wenn man das Gesagte sowieso nicht versteht, oder? Nun ja es war die Art wie er das Telefon beantwortet hat. Er ist zum Telefon marschiert und hat den Hörer im Hitlergruß abgenommen.

Die andere Szene zeigte das Mädel dieser Schauspielgruppe in einem Sommerdress und mit immer dem gleichen Satz „I’m going on holidays to XXX“ mit verschiedenen Plätzen wie zum Beispiel Kuba, Kambodscha oder South Africa und nur ein oder zweimal sagte Sie laut und deutlich „I’m going on Holidays to Auschwitz“. Erst dachte ich, ich hätte mich verhört bis Sie es noch mal sagte und mein Freund Edu mich von der Seite fragend anschaute.

Nicht weiter schlimm oder, aber jetzt frage ich mich warum mir gerade diese Szenen so im Gedächtnis geblieben sind.

Sind wie als deutsche Nachkriegsgeneration so darauf getrimmt diese Dinge verstärkt war zunehmen? Wurden wir wirklich einer Art Gehirnwäsche unterzogen, die uns jedes Mal in unsere Stühle sinken lässt wenn wir derartige Dinge erleben?

Ich glaube die jährliche Wiederholung im Geschichtsunterricht und die Ausflüge in jedes Holocaustmuseum- und denkmal im Umkreis und die 1000de von Filmen, von denen man sich ca. 200 im Geschichtsunterricht anschauen muss, haben besonders meine Generation geprägt.

Mindestens einmal im Jahr gab es einen Ausflug ins Kino um sich die „neueste Schindlers Liste“ anzuschauen.

Ich weiß nicht ob das wirklich der beste Weg ist, um uns zu ermahnen nicht die gleichen Fehler zu machen.

Ich bin zum Beispiel so empfindlich, dass ich mich sogar ein wenig unwohl fühle mit einer jüdischen Person im gleichen Zimmer zu sein. Ich fühle mich dann einfach schuldig und würde die Person am liebsten in den Arm nehmen und ihr sagen das es MIR leid tut auch wenn ich zum Zeitpunkt des 2. Weltkrieges noch nicht einmal geplant war geschweige denn meine Mutter.

Ich denke dass wir an einem kritischen und interessanten Punkt der deutschen Geschichte stehen. Es wird nicht mehr lange dauern da werden alle wirklichen Zeitzeugen dieses Kapitels unserer Geschichte verstorben sein.

Wird es dann auch ein wenig aus unserem Gedächtnis verschwinden oder werden wir immer dieses beklemmende Gefühl haben wenn wir eine Reportage im Fernsehen sehen?

Heißt aus seiner Geschichte lernen sich gleichzeitig für diese schämen zu müssen?





Citybreak mit Überraschung

15 05 2008

Die letzten 6 Wochen waren nicht die einfachsten in meinem Leben und jede Trennung tut einfach weh. Man könnte ja denken dass man nach der vierten Trennung von ein und der gleichen Person Übung hat und dass es leichter wird, das ist aber leider nicht so….

In solchen Augenblicken fühlt man sich, wenn die alten Freunde so weit weg sind und du in Barcelona festsitzt, irgendwie alleine und unheimlich verletzlich. Da kam der Vorschlag von meiner alten guten Freundin Karin, doch für ein Wochenende nach Mallorca zu kommen, wie gelegen und ich musste nicht lange überlegen. Nach Karins Worten sollte das ein entspanntest Wochenende mit ihr und ihrem Freund und 4 anderen Kiwi (Neuseeländer) Männern werden, die alle, ihr zu folge, coole und lässige Typen sein sollten.

Flug war gebucht und Zimmer sollte ich mit einen der lässigen Kiwis teilen. Was mir am Anfang komisch vorkam aber ich bin keine Babie und für mich steckte auch nicht mehr dahinter….obwohl man sich dann doch still und heimlich seinen “Mitbewohner auf Zeit” ausmalt und doch irgendwie hofft ein süßes Modell abzubekommen

Cala Santanyi sollte das Ziel meiner „Gedanken Pause“ sein. Ein kleiner Ort an einer winzigen Bucht wo es ganze 3 Hotels und ein paar Ferienhäuser gibt. Klang perfekt um einfach mal auszuspannen und meinen ganzen Herzschmerz mit Karin zu sezieren und aufs kleinste auseinander zu nehmen.

Leider bot sich mir am Flughafen ein ganz anderes Bild. Mich begrüßten 3 glücklich wirkende Paare, inklusive Karin und Dave, und „Mein Mitbewohner auf Zeit“ stellten sich als Frischverliebter heraus der schon am Flughafen seinen Schatz am Telefon hatte. Karin, diese Schlange, hatte mich ausgetrickst. Sie hatte mir verschwiegen dass es ein Pärchen Wochenende wird und sie hatte recht damit. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich bestimmt nicht gekommen. Ich bin manchmal ein „ich bin das Zentrum des Universum“ Mensch und wenn es mir schlecht geht muss es der ganzen Welt schlecht gehen. Aber ich glaube jeder frisch gebackene Single kann nachvollziehen das jedes glückliche Paar einen einfach nur ankotzt und in den ersten Monaten können sie dir regelrechte körperliche Schmerzen zufügen.

Am Hotel angekommen und nach dem Verstauen unserer Sachen ging es erst einmal auf eines der Pärchenzimmer zu einem kleinen Mittarnachtsumtrunk. Mit leichtem Pegel ging es dann schon sehr früh ins Bett. Obwohl mein „Mitbewohner auf Zeit“ überhaupt nicht mein Typ war, hat man als Frau doch trotzdem immer irgendwie das Bedürfnis sich beweisen zu wollen, damit man dann eine Anmache höflich und gekonnt abwehren kann und sich mächtig und sexy fühlen kann. Diese kleinen Botoxspritzen für das Ego sind für einen Single überlebenswichtig oder sagen wir mal so, machen es am Anfang irgendwie leichter, auch um seine getroffene Entscheidung sich zu trennen, rechtfertigen zu können. Als sich mein „Mitbewohner auf Zeit“ dann auch noch aus seiner Kleidung pellte, vielleicht sollte ich noch zu meiner Verteidigung erwähnen das er Personal Trainer von Beruf ist, war ich dann doch, dank 3 Whisky Colas, ein wenig angetan.

Aber nach einem kurzen Small Talk, hieß es dann Augen zu. Der Herr neben mir fing auch gleich an zu schnarchen. Das schlimmste allerdings war, dass das Zimmer eines der glücklichen Paare genau neben dem unserem lag und jeder der mal eine Nacht in einem spanischen 3 Sterne Hotel verbracht hat weiß was das bedeutet.

Natürlich fängt so was immer ganz harmlos an; mit Gekicher. Es hörte sich danach an als hätten wir es hier mit einen dieser „Kicherpaaren“ zu tun. Ich verstehe dieses rumgegacker als eine Art Vorspiel irgendwie nicht. Bei mir führt gekicher und rumgealbere meistens nicht zu wildem Sex, sondern eher zu ausgelassenen Kissenschlachten. In diesem Fall folgte dem Gekicher aber leider schon ziemlich zeitig eindeutigere Laute. Für einen Single der neben einem „Eigentlich nicht mein Typ aber Personal Trainer“ Mann liegt, der schon im Nimmernimmerland schlummerte und dies mit seinen gleichmäßigem „Schlafgeräuschen“ bekundete, ist das die reinste Qual. Nein es ist Folter um genau zu sein. Die heilige Inquisition hätte diese Methode in ihr Portfolio aufgenommen.

Was also tun in einem 5 Seelendorf im Mai auf Mallorca, bekannt als Paradies für Familien und Rentner? Hier gibt es, wenn’s hoch kommt 3 Cafés und leider wiegten mich die regelmäßigen Schnarchgeräusche und die unvorhersehbaren Aufschreie von Ekstase auch nicht in den Schlaf, so beschloss ich mir die Flasche Jack Daniels und den Rest der Cola zu schnappen und mich auf den Weg zur kleinen Bucht zu machen. Natürlich war auch hier totale Einsamkeit und so machte ich es mir mit meinem guten alten Freund Jacky gemütlich. Unglücklicherweise hatte ich das durchaus kühle Mallorca Maiwetter vergessen und ohne Decke wurde mir sehr schnell kalt. Da half nur eins sofort mit Jacky und Cola auf Tuchfühlung gehen. Warm wurde es mir schnell und es ist doch immer wieder erstaunlich wie viel Spaß man mit sich selber haben kann, wenn man sich so richtig schön betrinkt. So tanzte ich einsam aber glücklich über den Strand lauschte den Wellen und meinen Gedanken, die mit ca. 1,5 Promille allen Gefühlen, Männern und Tränen den Kampf erklärten. Ich weiß nicht wie lange diese hochkarätige 1 Mannparty noch anhielt, das nächste woran ich mich erinnere ist, dass mich ein höchst ärgerlicher Mitarbeiter eines Hotels aufweckte, der gerade die Strandliegen für den Tag zu recht machte. Erst wusste ich gar nicht wo ich war und warum ich nicht in mein fensterlosen „Zimmerschrank“ in Barcelona war. Ein kurzer Blick auf das türkisblaue Meer und die lehre Jack Daniels Flasche neben mir riefen die letzte Nacht wieder in Erinnerung. Der stechende Schmerz in meinem Kopf und im Rest meines Körpers verrieten mir die schmutzigen Details.

Der reizende, ziemlich laut sprechende, Spanische Heer bat mich höflichst zu verschwinden bevor die ersten Gäste kamen aber auf die Deutschen Urlauber kann man sich verlassen. Natürlich waren schon einige fleißig damit beschäftigt ihre Handtücher auf die fordersten Liegen zu platzieren und beobachten die Szene mit äußerster Neugier. Manche von Ihnen hatte eine Mischung aus Abscheu, Mitleid und „Gott sei Dank ist das nicht meine Tochter“ in den Augen.

Ja dieses Erlebnis kann sich definitiv in die Reihe „Fionas peinlichste Erlebnisse“ einreihen, wo bei der erste Platz schon längst vergeben und unangefochten ist, aber das ist eine andere Geschichte.

Auf dem Weg zum Hotel konnte ich der Situation aber doch noch was gute abgewinnen; da ich meine ganze Kraft und Konzentration darauf verwenden musste mich nicht zu übergeben, war das ganze Debakel schon fast vergessen.

Total verschwitzt und mit Schwindelgefühlen, als ob ich gerade aus einer Six Flag Achterbahn gestiegen wäre, kam ich an unserem Hotel an.

Bevor ich aber die Lobby betreten konnte, musste ich mich kurz auf dem Bürgersteig ausruhen. Krampfhaft versuchte ich meine Haare zu recht zulegen und mir die Makeup Reste mit den Fingern unter den Augen weg zu wischen.

Leider ließ diese Zwangspause meinen Verstand wieder arbeiten;…“was ist wen die anderen schon wach sind und mich suchen, wie erklärst du das Verschwinden der Whisky Flasche, wie kommst du am neugierigen Portier vorbei (der einen Narren an dir gefressen hat)…..“

Ich entschied mich für die Pflastermethode, schnell und schmerzhaft.

Mit dem Portier hatte ich Glück. Er checkt gerade, wie soll es anders sein, ein Pärchen ein, und ich kann mich geschickt vorbei schleichen.

Im Zimmer begrüßen mich die lieblichen regelmäßigen „Schlafgeräusche“ meines „Mitbewohners auf Zeit“. Erster Stop Badezimmer, wo ich mich erstmal auf den Badewannenrand setze.Zweiten Stop = der Blick in den Spiegel. Oh Gott ich bin über Nacht 10 Jahre gealtert und zu einem Grufti, mit schwarzen Schminkrändern unter den Augen mutiert. Jede einzelne Haarwurzel tut mir weh und ich beginne erst einmal mit Schadensbegrenzung. Meine Freundin Martina würde mich jetzt als ein erstklassiges Faltenschiff betiteln.

Nach einer kurzen Wäsche schleiche ich mich langsam ins Bett und stelle mein Wecker mal auf 14 Uhr. Ich denke das ist eine gute Zeit um immer noch als Langschläfer durchzugehen und nicht als einer der seinen Rausch ausschlafen muss, oder?

Punkt 14 Uhr klingelt mein Handy und leider haben diese paar Stunden Schlaf noch mehr Schaden angerichtet und ich fühl mich einfach nur beschissen. Langsam pelle ich mich aus der Sicherheit und Geborgenheit meiner frisch gewaschenen und gestärkten weißen Bettdecke und mach mich auf den Weg zum Strand. Super Idee mich mit dem Kater meines Lebens in die pralle Sonne zu legen. (Ist es nicht komisch das man jedes Mal denkt es wäre der schlimmste Kater seines Lebens).

Natürlich warten schon alle auf mich und es geht nur ein „Ha du bist ja vielleicht ein Langschläfer“ durch die Reihen. Super, mein Plan ist aufgegangen. Kathi gibt mir nur kurz auf Deutsch zu verstehen, dass ich ja total fertig aussehe und ob ich nicht gut geschlafen hätte.

Mein Äußeres schiebe ich schnell auf die billigen 3 Sterne Hotelbetten und mich überkommt ein leichtes Schuldgefühl. Auch noch mit fast 28 Jahren kann man zu so eine Nacht nicht offen stehen, sondern braucht ein Sündenbock, in meinem Fall die „3 Sterne Hotelbetten“.