Citybreak mit Überraschung

15 05 2008

Die letzten 6 Wochen waren nicht die einfachsten in meinem Leben und jede Trennung tut einfach weh. Man könnte ja denken dass man nach der vierten Trennung von ein und der gleichen Person Übung hat und dass es leichter wird, das ist aber leider nicht so….

In solchen Augenblicken fühlt man sich, wenn die alten Freunde so weit weg sind und du in Barcelona festsitzt, irgendwie alleine und unheimlich verletzlich. Da kam der Vorschlag von meiner alten guten Freundin Karin, doch für ein Wochenende nach Mallorca zu kommen, wie gelegen und ich musste nicht lange überlegen. Nach Karins Worten sollte das ein entspanntest Wochenende mit ihr und ihrem Freund und 4 anderen Kiwi (Neuseeländer) Männern werden, die alle, ihr zu folge, coole und lässige Typen sein sollten.

Flug war gebucht und Zimmer sollte ich mit einen der lässigen Kiwis teilen. Was mir am Anfang komisch vorkam aber ich bin keine Babie und für mich steckte auch nicht mehr dahinter….obwohl man sich dann doch still und heimlich seinen „Mitbewohner auf Zeit“ ausmalt und doch irgendwie hofft ein süßes Modell abzubekommen

Cala Santanyi sollte das Ziel meiner „Gedanken Pause“ sein. Ein kleiner Ort an einer winzigen Bucht wo es ganze 3 Hotels und ein paar Ferienhäuser gibt. Klang perfekt um einfach mal auszuspannen und meinen ganzen Herzschmerz mit Karin zu sezieren und aufs kleinste auseinander zu nehmen.

Leider bot sich mir am Flughafen ein ganz anderes Bild. Mich begrüßten 3 glücklich wirkende Paare, inklusive Karin und Dave, und „Mein Mitbewohner auf Zeit“ stellten sich als Frischverliebter heraus der schon am Flughafen seinen Schatz am Telefon hatte. Karin, diese Schlange, hatte mich ausgetrickst. Sie hatte mir verschwiegen dass es ein Pärchen Wochenende wird und sie hatte recht damit. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich bestimmt nicht gekommen. Ich bin manchmal ein „ich bin das Zentrum des Universum“ Mensch und wenn es mir schlecht geht muss es der ganzen Welt schlecht gehen. Aber ich glaube jeder frisch gebackene Single kann nachvollziehen das jedes glückliche Paar einen einfach nur ankotzt und in den ersten Monaten können sie dir regelrechte körperliche Schmerzen zufügen.

Am Hotel angekommen und nach dem Verstauen unserer Sachen ging es erst einmal auf eines der Pärchenzimmer zu einem kleinen Mittarnachtsumtrunk. Mit leichtem Pegel ging es dann schon sehr früh ins Bett. Obwohl mein „Mitbewohner auf Zeit“ überhaupt nicht mein Typ war, hat man als Frau doch trotzdem immer irgendwie das Bedürfnis sich beweisen zu wollen, damit man dann eine Anmache höflich und gekonnt abwehren kann und sich mächtig und sexy fühlen kann. Diese kleinen Botoxspritzen für das Ego sind für einen Single überlebenswichtig oder sagen wir mal so, machen es am Anfang irgendwie leichter, auch um seine getroffene Entscheidung sich zu trennen, rechtfertigen zu können. Als sich mein „Mitbewohner auf Zeit“ dann auch noch aus seiner Kleidung pellte, vielleicht sollte ich noch zu meiner Verteidigung erwähnen das er Personal Trainer von Beruf ist, war ich dann doch, dank 3 Whisky Colas, ein wenig angetan.

Aber nach einem kurzen Small Talk, hieß es dann Augen zu. Der Herr neben mir fing auch gleich an zu schnarchen. Das schlimmste allerdings war, dass das Zimmer eines der glücklichen Paare genau neben dem unserem lag und jeder der mal eine Nacht in einem spanischen 3 Sterne Hotel verbracht hat weiß was das bedeutet.

Natürlich fängt so was immer ganz harmlos an; mit Gekicher. Es hörte sich danach an als hätten wir es hier mit einen dieser „Kicherpaaren“ zu tun. Ich verstehe dieses rumgegacker als eine Art Vorspiel irgendwie nicht. Bei mir führt gekicher und rumgealbere meistens nicht zu wildem Sex, sondern eher zu ausgelassenen Kissenschlachten. In diesem Fall folgte dem Gekicher aber leider schon ziemlich zeitig eindeutigere Laute. Für einen Single der neben einem „Eigentlich nicht mein Typ aber Personal Trainer“ Mann liegt, der schon im Nimmernimmerland schlummerte und dies mit seinen gleichmäßigem „Schlafgeräuschen“ bekundete, ist das die reinste Qual. Nein es ist Folter um genau zu sein. Die heilige Inquisition hätte diese Methode in ihr Portfolio aufgenommen.

Was also tun in einem 5 Seelendorf im Mai auf Mallorca, bekannt als Paradies für Familien und Rentner? Hier gibt es, wenn’s hoch kommt 3 Cafés und leider wiegten mich die regelmäßigen Schnarchgeräusche und die unvorhersehbaren Aufschreie von Ekstase auch nicht in den Schlaf, so beschloss ich mir die Flasche Jack Daniels und den Rest der Cola zu schnappen und mich auf den Weg zur kleinen Bucht zu machen. Natürlich war auch hier totale Einsamkeit und so machte ich es mir mit meinem guten alten Freund Jacky gemütlich. Unglücklicherweise hatte ich das durchaus kühle Mallorca Maiwetter vergessen und ohne Decke wurde mir sehr schnell kalt. Da half nur eins sofort mit Jacky und Cola auf Tuchfühlung gehen. Warm wurde es mir schnell und es ist doch immer wieder erstaunlich wie viel Spaß man mit sich selber haben kann, wenn man sich so richtig schön betrinkt. So tanzte ich einsam aber glücklich über den Strand lauschte den Wellen und meinen Gedanken, die mit ca. 1,5 Promille allen Gefühlen, Männern und Tränen den Kampf erklärten. Ich weiß nicht wie lange diese hochkarätige 1 Mannparty noch anhielt, das nächste woran ich mich erinnere ist, dass mich ein höchst ärgerlicher Mitarbeiter eines Hotels aufweckte, der gerade die Strandliegen für den Tag zu recht machte. Erst wusste ich gar nicht wo ich war und warum ich nicht in mein fensterlosen „Zimmerschrank“ in Barcelona war. Ein kurzer Blick auf das türkisblaue Meer und die lehre Jack Daniels Flasche neben mir riefen die letzte Nacht wieder in Erinnerung. Der stechende Schmerz in meinem Kopf und im Rest meines Körpers verrieten mir die schmutzigen Details.

Der reizende, ziemlich laut sprechende, Spanische Heer bat mich höflichst zu verschwinden bevor die ersten Gäste kamen aber auf die Deutschen Urlauber kann man sich verlassen. Natürlich waren schon einige fleißig damit beschäftigt ihre Handtücher auf die fordersten Liegen zu platzieren und beobachten die Szene mit äußerster Neugier. Manche von Ihnen hatte eine Mischung aus Abscheu, Mitleid und „Gott sei Dank ist das nicht meine Tochter“ in den Augen.

Ja dieses Erlebnis kann sich definitiv in die Reihe „Fionas peinlichste Erlebnisse“ einreihen, wo bei der erste Platz schon längst vergeben und unangefochten ist, aber das ist eine andere Geschichte.

Auf dem Weg zum Hotel konnte ich der Situation aber doch noch was gute abgewinnen; da ich meine ganze Kraft und Konzentration darauf verwenden musste mich nicht zu übergeben, war das ganze Debakel schon fast vergessen.

Total verschwitzt und mit Schwindelgefühlen, als ob ich gerade aus einer Six Flag Achterbahn gestiegen wäre, kam ich an unserem Hotel an.

Bevor ich aber die Lobby betreten konnte, musste ich mich kurz auf dem Bürgersteig ausruhen. Krampfhaft versuchte ich meine Haare zu recht zulegen und mir die Makeup Reste mit den Fingern unter den Augen weg zu wischen.

Leider ließ diese Zwangspause meinen Verstand wieder arbeiten;…“was ist wen die anderen schon wach sind und mich suchen, wie erklärst du das Verschwinden der Whisky Flasche, wie kommst du am neugierigen Portier vorbei (der einen Narren an dir gefressen hat)…..“

Ich entschied mich für die Pflastermethode, schnell und schmerzhaft.

Mit dem Portier hatte ich Glück. Er checkt gerade, wie soll es anders sein, ein Pärchen ein, und ich kann mich geschickt vorbei schleichen.

Im Zimmer begrüßen mich die lieblichen regelmäßigen „Schlafgeräusche“ meines „Mitbewohners auf Zeit“. Erster Stop Badezimmer, wo ich mich erstmal auf den Badewannenrand setze.Zweiten Stop = der Blick in den Spiegel. Oh Gott ich bin über Nacht 10 Jahre gealtert und zu einem Grufti, mit schwarzen Schminkrändern unter den Augen mutiert. Jede einzelne Haarwurzel tut mir weh und ich beginne erst einmal mit Schadensbegrenzung. Meine Freundin Martina würde mich jetzt als ein erstklassiges Faltenschiff betiteln.

Nach einer kurzen Wäsche schleiche ich mich langsam ins Bett und stelle mein Wecker mal auf 14 Uhr. Ich denke das ist eine gute Zeit um immer noch als Langschläfer durchzugehen und nicht als einer der seinen Rausch ausschlafen muss, oder?

Punkt 14 Uhr klingelt mein Handy und leider haben diese paar Stunden Schlaf noch mehr Schaden angerichtet und ich fühl mich einfach nur beschissen. Langsam pelle ich mich aus der Sicherheit und Geborgenheit meiner frisch gewaschenen und gestärkten weißen Bettdecke und mach mich auf den Weg zum Strand. Super Idee mich mit dem Kater meines Lebens in die pralle Sonne zu legen. (Ist es nicht komisch das man jedes Mal denkt es wäre der schlimmste Kater seines Lebens).

Natürlich warten schon alle auf mich und es geht nur ein „Ha du bist ja vielleicht ein Langschläfer“ durch die Reihen. Super, mein Plan ist aufgegangen. Kathi gibt mir nur kurz auf Deutsch zu verstehen, dass ich ja total fertig aussehe und ob ich nicht gut geschlafen hätte.

Mein Äußeres schiebe ich schnell auf die billigen 3 Sterne Hotelbetten und mich überkommt ein leichtes Schuldgefühl. Auch noch mit fast 28 Jahren kann man zu so eine Nacht nicht offen stehen, sondern braucht ein Sündenbock, in meinem Fall die „3 Sterne Hotelbetten“.


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4 Antworten

16 05 2008
Nadine

Hi Karinchen….
Super Geschichte, ich hoffe wir können bald mehr von dir lesen.

Ganz lieben Gruss
Nadine

17 05 2008
Noushin

Mein Gott….wie lange ist das her, dass ich wieder was höre und dann hast du dich auch garnicht veränert..TOLLLL!!! Tolle Geschichte, tolles Erlebnis…oder auch nicht!
Wie du bist wieder single???
Frau Müller es wird wohl Zeit, dass wir uns sehen!
LG
Adios guapa
Noushin

17 05 2008
mandyontour

Na toll – 2 Einträge und das Pseudonym ist dahin…

macht spass zu lesen und man möchte UNBEDINGT wissen wie es weiter geht… also lass dir mit dem nächsten teil nicht allzu lang zeit!

wenn du nen Übersetzer brauchst, der deine Werke zur Veröffentlichung ins Englische schreibt, dann sag Bescheid.

Ich liebe dich und vermisse dich wahnsinnig – hätt ich Geld würd ich nächstes Wochenende kommen… Besito

amand

29 05 2008
Mama u. Andi

Hallo Süsse,

super Geschichte (Betonung liegt auf „Geschichte“). Wir sind uns einig, du hast Talent. Schreib ruhig öfter was!

Bis dann, haben dich lieb, Mama und Andi

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