London (was) calling part one

7 12 2008

Hab hier so das Gefühl nur von meinen Ausflügen und Pausen von Barcelona zu berichten, so das man schnell den Eindruck haben könnte ich mag meine Wahlheimat gar nicht so sehr. Das will ich dann mal an dieser Stelle richtig klären; ich liebe Barcelona.

Vom ersten Augenblick als ich am 24 August im Jahre 2006 zum ersten Mal die Calle Avinyo betrat, hat mich die Stadt mit ihren großen und offen Armen gefangen und nicht mehr los gelassen, wie schon so viele vor mir.

Aber wie in jeder Beziehung braucht man auch mal einen Moment Ruhe und Abstand und so ging es mir Ende Mai. Es war das perfekte Timing, da ich gerade 3 Tage Primavera Sound (Festival) hinter mir hatte, von denen ich mich sage und schreibe ganze 2 Tage erholen musste. Mit 28 Jahren merkt man 3 Tage tanzen und trinken in jedem Knochen und gerade rechtzeitig zum Abflug kam meine Stimme auch wieder. An dieser Stelle; Entschuldigung an alle die mich in meinen 2 Tagen Rehabilitation angerufen haben und leider feststellen mussten das niemand am Telefon war, mmhh ich war am Telefon, es kam nur kein Laut aus meinem Mund.

So saß ich nun mal wieder am Barcelona Flughafen auf dem ich mittlerweile schon die Sicherheitsbeamten mit Vornamen ansprechen kann, so oft bin ich hier schon abgeflogen und wieder angekommen. Meine Gefühle sind dabei immer sehr verschieden, manchmal freue ich mich abzufliegen, manchmal möchte ich am liebsten gar nicht aus dem Flughafen Bus aussteigen und wieder andere Male will ich in Dortmund nicht aus dem Auto steigen. So fühl ich mich eigentlich immer. Ich nehme mal an das ist das Los was ich aus dem großem Topf Namens Leben gezogen habe. Manchmal ist es schon schwierig wenn man sich nirgends so richtig zu Hause fühlt.

Klar es gibt einem das Gefühl von Freiheit, da man jederzeit seinen Lebensmittelpunkt wechseln kann aber oft ist es auch nur super furchteinflößend.

Dieses Mal hatte ich aber nichts als Vorfreude im Herzen und im Kopf und ich war bereit für ein neues Abendteuer. Es war schon wieder viel zu lange her das ich und mein großer Rucksack auf Reisen waren. Natürlich war ein Besuch bei Karin in London nicht Backpacking durch Vietnam aber es fühle sich fast genauso an. Meine bis her nie zur Ruhe gekommene Reiselust und meine innere Unruhe meldeten sich auch gleich wieder.

Nach dem Einchecken lief ich auch gleich los um meine Wunschliste von Karin abzuarbeiten. Zwei Schachteln Zigaretten und 1 Flasche Whiskey, wenn sich das nicht nach fünf Tagen Spass anhört. Ich schaute mich also im „Dutyfreeshop“ in Ruhe um. Was haben diese Shops eigentlich an sich das man immer das Gefühl hat jeden Krimmskramm kaufen zu müssen und sich mit Süßigkeiten und Alkohol voll stopfen zu müssen. Ich blieb aber strikt bei meiner Liste und kaufte nur die beiden Stangen und den Whisky. Nichts wie raus aus diesem Verführungstempel der unnützen Gegenstände.

Da ich es, wie jeder andere Mensch wahrscheinlich auch, hasse im Flugzeug auf die Toilette zu gehen ging ich noch mal schnell am Flughafen.

Ich sitze also so auf dem Klo, ja ich bin jemand der sich tatsächlich auf die Klobrille setzt (Feuchtgebiete lässt grüßen), und denke so über meinen bevorstehenden Trip nach, als plötzlich jemand die Tüte aus dem Dutyfreeshop zwischen der Tür hinweg zieht und aus der Toilette rennt. Für ein paar Sekunden sitze ich total perplex auf dem Klo bis ich erstmal realisiere was da gerade passiert ist und so spring ich auf, ziehe die Hose so gut es geht hoch und stürme aus der Klokabine. Da ich von Natur aus ein eher trotteliger Typ bin kommt mir das natürlich auch in dieser Situation in die Quere. Meine Hose auf halb acht und noch unter Schock trete ich dabei auf meinen Rucksack und höre doch tatsächlich die gerade gekaufte Flasche Whiskey zur Bruch gehen. So stehe ich da mit halb entblößtem Arsch und sehe den guten Whiskey aus meinem Rucksack laufen. Der Dieb ist mit meinen Zigaretten eh schon über alle Berge.

Zu allem Überfluss kommt dann auch gerade jemand in die Toilette und schaut mich ganz entsetzt an, na ja wer kann es ihr verübeln bei dem Anblick.

So versuche ich ihr in Spanisch zur erklären was gerade passiert ist und natürlich hört sich das ja alles ein wenig absurd an, also zieh ich mir im Gang der Toiletten meine Hose richtig an entsorge meinen Rucksack, pack die Sachen in eine Plastiktüte und verschwinde so schnell es geht.

Frustriert setzte ich mich an mein Gate und denke „was für ein toller Start“ in deinen Urlaub. Die Leute um mich rum schauen auch ganz komisch….ahh klar ich muss ja riechen als ob ich gerade in Whiskey gebadet hätte. Toll nun wurde ich innerhalb von 10 Minuten beraubt und als Hardcore Alkoholiker abgestempelt. Perfekt.

20 Minuten später sitze ich dann Gott sei Dank im Flieger und stell mich wieder auf tolle 5 Tage in London ein. Aber wie das ungeschrieben Gesetz der Pechsträhnen festlegt wurde es nach Abflug nicht unbedingt besser. Es gibt nur zwei Arten von Flugzeugpassagieren die ich um keinen Preis neben mir sitzen haben will; Familien mit aufgedrehten und rotzfrechen Kindern und Passagiere die dich den ganzen Flug voll quatschen müssen, während du nur versuchst dein Buch zu lesen. Und NATÜRLICH hatte ich die nervige Familie vor mir sitzen und die Quasselstripe neben mir. Der war auch nicht von meiner Whiskeyfahne abgeschreckt, wahrscheinlich machte mich das nur noch sympathischer.

So hörte ich mir die Lebensgeschichte meines Nachbarn an und grinste das Kind, das mich schon seit ca. 20 Minuten durch die Sitze hindurch anstarte, alle zwei Minuten an.

Nach knapp zwei Stunden; Ankunft London Luton. Mein geschwätziger Nachbar fragt ob wir zusammen den Bus in die Stadt nehmen sollen…..na super noch eine Stunde dieses Gelaber ertrage ich nicht und so sag ich ihm das wir uns draußen treffen und renne schnell gen Ausgang und springe in den nächsten Bus.

Stop Finschley Road. Hier treffe ich Karin in 2 Stunden. Scheiße, was mach ich denn die nächsten 2 Stunden. Klar du bist in London also ins nächste Pup ist doch klar.

Da sitze ich also, whiskeystinkend mit einem Pine in einem Londoner Pup. Irgendwie hat das was.

2 Stunden, zwei Bier später und schon mit einem gewaltig großen Grinsen liegen Karin und ich uns in den Armen, drücken uns gegenseitig die Backen und lachen ganz laut, aus keinem ersichtlichen Grund nur aus reiner Freude uns endlich wieder zu sehen.

Es ist ja echt immer lustig wenn man seine besten Freunde zum ersten Mal in ihrem neuen „Heim“ besucht. Irgendwie führen die sich dann immer gleich wie Reiseführer auf; „Hier um die Ecke ist ein super günstiger Japan, wenn du hier hoch gehst kommst du zu einem ganz tollen Park, hier kann man günstig Strumpfhosen kaufen“ u.s.w. Sind ja auch alles ganz wichtige Tipps wenn ich in den nächsten Tagen japanisch essen will, im Park spazieren gehen will oder dringend Strumpfhosen brauche.

Ich liebe das Gefühl was man nur mit richtig guten Freunden teilt…man sieht sich ewig nicht und man hat das Gefühl, trotz einer wild fremden Stadt, zu Hause angekommen zu sein.

Den Rest des Abends gab es viel Gelache und jede Menge Wein, von es die nächsten Tage noch viel mehr geben sollte.


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Eine Antwort

7 12 2008
Noushin

Immer wieder genial….ich kann es immer noch nicht glauben..auf der Toilette beklaut…na super und ich fliege in 2 Tagen nach London..;)
vermisse dich babe.
Warte gespannt auf neue, krasse, lustige Geschichten.
Lieben Gruss

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